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Wohnungsbau 2025: Nur 206.600 Fertigstellungen – was das für Mitteldeutschland heißt

Wohnungsbau 2025: Nur 206.600 Fertigstellungen – was das für Mitteldeutschland heißt

Foto: Habach Bau

Wohnungsbau 2025: Nur 206.600 Fertigstellungen – was das für Mitteldeutschland heißt

Foto: Mikael Kristenson / Unsplash

206.600 Wohnungen wurden im Jahr 2025 in Deutschland fertiggestellt. Das ist der tiefste Wert seit mehr als zehn Jahren und liegt weit unter den 400.000 Einheiten, die von der Bundesregierung einst als jährliches Ziel ausgegeben wurden. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) Ende Mai kommentierte, zeichnen ein ernüchterndes Bild – trotz einer ganzen Welle politischer Reforminitiativen.

Der Abwärtstrend in Zahlen

Der Rückgang der Fertigstellungen hat sich über mehrere Jahre aufgebaut. Noch 2022 wurden rund 295.000 Wohnungen fertiggestellt. 2023 waren es etwa 260.000, 2024 knapp 230.000. Der aktuelle Wert von 206.600 markiert nun einen neuen Tiefpunkt. Parallel dazu schrumpft der sogenannte Bauüberhang – also die Zahl genehmigter, aber noch nicht begonnener oder nicht fertiggestellter Projekte. Das bedeutet: Selbst die Pipeline für künftige Fertigstellungen wird dünner.

Die Auftragseingangs- und Umsatzdaten im Bauhauptgewerbe für März 2026 bestätigen den Trend. ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa warnte explizit vor einem weiteren Einbruch im laufenden Jahr 2026. Die strukturellen Ursachen – hohe Baukosten, gestiegene Zinsen, bürokratische Genehmigungsverfahren – wirken weiter, auch wenn sich bei den Genehmigungszahlen zuletzt ein leichter Aufwärtstrend zeigte.

Genehmigungen steigen – Bauen bleibt schwierig

Im März 2026 genehmigte die Behörden den Bau von mehr Wohnungen als in den Vormonaten. Diese Trendwende bei den Genehmigungen ist ein Lichtblick, darf aber nicht über die Realität hinwegtäuschen: Zwischen einer Baugenehmigung und der Schlüsselübergabe liegen im Durchschnitt zwei bis drei Jahre. Und ein erheblicher Teil der erteilten Genehmigungen wird nie realisiert, weil sich die Kalkulation zwischen Antragstellung und Baubeginn verändert hat – durch gestiegene Material- oder Finanzierungskosten.

Pakleppa nannte die kürzlich verabschiedete Novelle des Baugesetzbuches, die Planungs- und Genehmigungsprozesse beschleunigen soll, lediglich «die halbe Miete». Schnellere Genehmigungen allein schaffen keinen Wohnraum, solange sich Projekte wirtschaftlich nicht rechnen. Ähnlich verhält es sich mit dem Vergabebeschleunigungsgesetz, das der Bundesrat Anfang Mai durchwinkte: Es vereinfacht öffentliche Auftragsvergaben, adressiert aber nicht die Finanzierungslücke im privaten Wohnungsbau.

Sachsen-Anhalt: Besondere Verwundbarkeit

Für Sachsen-Anhalt und die Region Halle/Leipzig hat die Entwicklung eine besondere Dimension. Der ohnehin geringere Neubau in den ostdeutschen Bundesländern macht den Bestand umso wichtiger. Wenn weniger neu gebaut wird, steigt der Druck auf den vorhandenen Wohnungsbestand – und damit die Nachfrage nach Sanierung, Modernisierung und energetischer Ertüchtigung.

Die Investitionsbank Sachsen-Anhalt verzeichnete bereits 2024 einen Anstieg bei Förderanträgen für Bestandsmaßnahmen. Wer heute nicht neu baut, muss morgen sanieren – diese Logik treibt die Nachfrage nach Innenausbau, Badsanierung und Gebäudemodernisierung in der Region. Gleichzeitig wächst die Unsicherheit bei Bauherren, die eigentlich einen Neubau planen wollten und nun vor der Frage stehen, ob eine Bestandsimmobilie mit umfassender Sanierung nicht die wirtschaftlich klügere Wahl ist.

Was Bauherren jetzt bedenken sollten

Die Fertigstellungskrise hat paradoxerweise auch eine Kehrseite: Handwerksbetriebe im Neubausegment, die bis vor zwei Jahren kaum Termine vergeben konnten, haben wieder Kapazitäten frei. Wer jetzt ein Sanierungsprojekt plant – ob Komplettsanierung eines Altbaus, barrierefreier Umbau oder energetische Modernisierung – findet in Mitteldeutschland derzeit bessere Verfügbarkeiten bei Fachbetrieben als noch 2022 oder 2023. Die Materialpreise haben sich auf hohem Niveau stabilisiert, aber die exorbitanten Preisspitzen der Vorjahre sind vorbei.

Für Eigenheimbesitzer und Immobilieneigentümer in der Region Halle, Leipzig und im südlichen Sachsen-Anhalt lohnt sich deshalb ein nüchterner Blick auf den eigenen Bestand: Welche Maßnahmen sind fällig, welche Förderprogramme greifen noch, und wo lassen sich durch kluge Planung langfristig Kosten sparen? Die Neubaukrise mag ein bundespolitisches Problem sein – ihre Lösung beginnt oft genug im Bestand vor Ort.

Quellen & weiterführende Informationen

  • Quelle: Wohnungsneubau 2025: Fertigstellungen auf niedrigstem Stand seit über einem Jahrzehnt. ZDB / Presseportal, 22.05.2026. Zum Artikel
  • Quelle: Wohnungsbau: Genehmigungszahlen steigen, Bedarf bleibt. ZDB / Presseportal, 18.05.2026. Zum Artikel
  • Quelle: Baugewerbe zur BauGB-Novelle: «Ist nur die halbe Miete». ZDB / Presseportal, 27.05.2026. Zum Artikel
  • Quelle: Baugewerbe zum Vergabebeschleunigungsgesetz. ZDB / Presseportal, 08.05.2026. Zum Artikel
Von M. Habach
·
Konjunktur
·
KI-gestützt · redigiert

Habach Bau · Halle (Saale)

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