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Das Frühjahr 2026 markiert eine gesetzgeberische Offensive, wie sie die deutsche Bauwirtschaft selten erlebt hat: Vergabebeschleunigungsgesetz, BauGB-Novelle und steigende Genehmigungszahlen – auf dem Papier sieht es nach Aufbruch aus. In der Realität der Baustellen kommt davon bislang wenig an. Eine Bestandsaufnahme.
Drei Gesetze in drei Wochen
Am 8. Mai stimmte der Bundesrat dem Vergabebeschleunigungsgesetz zu. Es hebt Schwellenwerte für vereinfachte Vergabeverfahren an, erlaubt verstärkt Direktvergaben bei kleineren Aufträgen und soll die öffentliche Hand in die Lage versetzen, Bauvorhaben schneller zu beauftragen. ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa sprach von einem «wichtigen Schritt für unser Land». Knapp drei Wochen später, am 27. Mai, passierte die BauGB-Novelle das Bundeskabinett – mit dem erklärten Ziel, Planungs- und Genehmigungsprozesse im Wohnungsbau zu verkürzen. Dazwischen, am 18. Mai, meldete das Statistische Bundesamt für März 2026 einen erneuten Anstieg der Baugenehmigungen.
Genehmigt heißt noch lange nicht gebaut
Die Genehmigungszahlen steigen – doch das Baugewerbe warnt davor, daraus voreilig Optimismus abzuleiten. Denn der sogenannte Bauüberhang, also die Zahl genehmigter, aber noch nicht realisierter Wohnungen, wächst seit Jahren. Im Jahr 2025 wurden lediglich 206.600 Wohnungen fertiggestellt – der niedrigste Wert seit über einem Jahrzehnt und weit entfernt vom politischen Ziel der 400.000 Einheiten pro Jahr. Das Problem liegt nicht primär in fehlenden Genehmigungen, sondern in den Bedingungen danach: hohe Materialkosten, ein Zinsniveau, das viele Projekte unrentabel macht, und ein Fachkräftemangel, der gerade mittelständische Betriebe an ihre Grenzen bringt.
Vergaberecht: Entlastung vor allem für das Handwerk
Das Vergabebeschleunigungsgesetz dürfte vor allem für kleinere und mittlere Baubetriebe spürbare Auswirkungen haben. Höhere Schwellenwerte für vereinfachte Verfahren bedeuten weniger bürokratischen Aufwand bei öffentlichen Aufträgen – etwa bei Schulsanierungen, Kita-Neubauten oder kommunaler Infrastruktur. Gerade in Sachsen-Anhalt, wo Kommunen mit knappen Haushalten und gleichzeitig erheblichem Sanierungsstau kämpfen, könnte das einen Unterschied machen. Entscheidend wird allerdings sein, ob die Kommunen ihre Vergabestellen personell überhaupt in die Lage versetzen können, die neuen Spielräume zu nutzen. Vereinfachte Verfahren helfen wenig, wenn die zuständigen Ämter unterbesetzt sind.
Die BauGB-Novelle: Katalysator oder Symbolpolitik?
Felix Pakleppa brachte die Einschätzung der Branche auf eine prägnante Formel: Die BauGB-Novelle sei «nur die halbe Miete». Schnellere Bebauungspläne und vereinfachte Verfahren für Nachverdichtung sind sinnvoll, greifen aber nur, wenn parallel die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Solange Baukosten steigen und die Finanzierung schwierig bleibt, fehlt der zweite Teil der Gleichung. Die Novelle adressiert das Angebotsproblem auf der planerischen Seite – das Nachfrageproblem auf der Finanzierungsseite bleibt weitgehend ungelöst. Steuerliche Anreize wie eine verbesserte degressive AfA oder zinsgünstige Förderprogramme wären die logische Ergänzung, sind bislang aber nicht Teil des Pakets.
Was der Reformschub für Mitteldeutschland bedeutet
Für Bauherren und Handwerksbetriebe in der Region Halle, Leipzig und Umgebung ergibt sich ein differenziertes Bild. Einerseits schaffen die regulatorischen Änderungen tatsächlich Erleichterungen – insbesondere bei öffentlichen Aufträgen und in der Bauleitplanung. Andererseits bleibt die Kernherausforderung bestehen: Wer in Mitteldeutschland sanieren, umbauen oder neu bauen will, braucht verlässliche Kostenkalkulationen und verfügbare Fachkräfte. Drei Gesetze in drei Wochen sind ein Signal – aber der Praxistest steht noch aus. Bauunternehmen wie auch private Auftraggeber sollten die neuen Regelungen genau prüfen und dort nutzen, wo sie konkrete Vorteile bringen, etwa bei der Vergabe von Sanierungsprojekten oder bei Genehmigungsverfahren für Nachverdichtung im Bestand.
Quellen & weiterführende Informationen
- Quelle: Baugewerbe zur BauGB-Novelle: «Ist nur die halbe Miete». ZDB / Presseportal, 27.05.2026. Zum Artikel
- Quelle: Wohnungsneubau 2025: Fertigstellungen auf niedrigstem Stand seit über einem Jahrzehnt. ZDB / Presseportal, 22.05.2026. Zum Artikel
- Quelle: Wohnungsbau: Genehmigungszahlen steigen, Bedarf bleibt. ZDB / Presseportal, 18.05.2026. Zum Artikel
- Quelle: Baugewerbe zum Vergabebeschleunigungsgesetz: Wichtiger Schritt für unser Land. ZDB / Presseportal, 08.05.2026. Zum Artikel
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