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Die Bundesregierung hat am 27. Mai die lang erwartete Novelle des Baugesetzbuchs (BauGB) auf den Weg gebracht. Planungs- und Genehmigungsverfahren im Wohnungsbau sollen damit deutlich beschleunigt werden – ein Vorhaben, das angesichts der dramatisch niedrigen Fertigstellungszahlen überfällig erscheint. Doch aus der Branche kommt ein klares Signal: Das reicht bei Weitem nicht.
Was die Novelle konkret vorsieht
Im Kern zielt die BauGB-Novelle darauf ab, bürokratische Hürden bei der Ausweisung von Bauland und der Erteilung von Baugenehmigungen abzubauen. Kommunen sollen schneller Bebauungspläne aufstellen können, Verfahrensschritte werden gestrafft, digitale Prozesse gestärkt. Für Bauherren bedeutet das im besten Fall: weniger Wartezeit zwischen Projektidee und erstem Spatenstich.
Baugewerbe: "Nur die halbe Miete"
Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), begrüßte die Novelle grundsätzlich, ordnete sie aber unmissverständlich ein: Sie sei "nur die halbe Miete". Die Kritik ist substanziell – denn schnellere Genehmigungen nützen wenig, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen das Bauen weiterhin unattraktiv machen. Hohe Materialkosten, gestiegene Zinsen und eine unzureichende Förderkulisse halten Investoren und private Bauherren gleichermaßen zurück.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Wie drängend die Lage ist, zeigen die jüngsten Daten des Statistischen Bundesamts: Im Jahr 2025 wurden lediglich 206.600 Wohnungen fertiggestellt – der niedrigste Stand seit über einem Jahrzehnt und meilenweit entfernt vom politischen Ziel von 400.000 neuen Wohnungen jährlich. Zwar steigen die Baugenehmigungszahlen seit einigen Monaten wieder leicht an, doch der ZDB warnt vor einem weiteren Einbruch bei den Fertigstellungen im laufenden Jahr 2026. Der Grund: Die Genehmigungen der Krisenjahre 2023 und 2024 waren so niedrig, dass schlicht zu wenig Projekte in der Pipeline sind, die jetzt fertiggestellt werden könnten.
Genehmigungen steigen – aber der Rückstand ist enorm
Im März 2026 genehmigte die Behörden den Bau weiterer Wohnungen, der positive Trend setzt sich damit fort. Doch selbst dieser Aufwärtstrend täuscht über das strukturelle Problem hinweg: Zwischen steigenden Genehmigungen und tatsächlich bezugsfertigen Wohnungen liegen im Durchschnitt zwei bis drei Jahre Bauzeit. Die BauGB-Novelle kann diese Lücke verkürzen helfen – schließen kann sie diese nicht.
Was jetzt zusätzlich passieren muss
Das Baugewerbe fordert ein Maßnahmenpaket, das über die reine Verfahrensbeschleunigung hinausgeht. Konkret geht es um drei Stellschrauben: Erstens eine verlässliche und ausreichend dotierte Neubauförderung, die insbesondere den Mietwohnungsbau wieder wirtschaftlich macht. Zweitens die Reduzierung der Baukosten durch eine Entschlackung technischer Normen und Standards – ein Thema, das seit Jahren diskutiert, aber kaum angegangen wird. Drittens die Sicherung von Fachkräften im Bauhandwerk, ohne die selbst genehmigte Projekte auf der Strecke bleiben.
Was das für Mitteldeutschland bedeutet
Für Bauherren und Eigentümer in der Region Halle, Leipzig und Sachsen-Anhalt hat die Novelle durchaus praktische Relevanz. Gerade in wachsenden Städten wie Leipzig, wo der Wohnungsmarkt spürbar angespannt ist, könnten beschleunigte Verfahren dazu beitragen, dass Projekte schneller an den Start gehen. In Halle (Saale) und den umliegenden Kommunen, wo Sanierung und Bestandsentwicklung mindestens ebenso wichtig sind wie Neubau, bleibt die Frage, ob die Novelle auch für Umbau- und Aufstockungsprojekte spürbare Erleichterungen bringt. Für Handwerksbetriebe und Bauunternehmen in Mitteldeutschland gilt: Die gesetzlichen Rahmenbedingungen verbessern sich schrittweise – doch ohne eine echte Trendwende bei Aufträgen und Förderung wird 2026 ein weiteres schwieriges Jahr.
Quellen & weiterführende Informationen
- Quelle: Baugewerbe zur BauGB-Novelle: "Ist nur die halbe Miete". Presseportal / ZDB, 27.05.2026. Zum Artikel
- Quelle: Wohnungsneubau 2025: Fertigstellungen auf niedrigstem Stand seit über einem Jahrzehnt. Presseportal / ZDB, 22.05.2026. Zum Artikel
- Quelle: Wohnungsbau: Genehmigungszahlen steigen, Bedarf bleibt. Presseportal / ZDB, 18.05.2026. Zum Artikel
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