Foto: Habach Bau
206.600 Wohnungen wurden im Jahr 2025 in Deutschland fertiggestellt. Das ist der niedrigste Wert seit 2012 und liegt meilenweit entfernt vom politischen Ziel, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu schaffen. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes offenbaren eine Krise, die sich nicht mit einzelnen Gesetzesnovellen lösen lässt – sondern tiefgreifende strukturelle Ursachen hat.
Die Schere zwischen Genehmigung und Realität
Auf den ersten Blick scheint sich etwas zu bewegen: Die Baugenehmigungen im März 2026 sind gestiegen. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), kommentierte die Zahlen mit verhaltenem Optimismus – wies aber sofort auf die entscheidende Lücke hin. Genehmigungen bedeuten noch lange keine gebauten Wohnungen. Die durchschnittliche Zeitspanne zwischen Genehmigung und Fertigstellung beträgt inzwischen mehr als zwei Jahre. Viele genehmigte Projekte werden aufgrund gestiegener Baukosten, unsicherer Finanzierungsbedingungen und fehlender Fachkräfte gar nicht erst begonnen.
Warum die Talsohle noch nicht erreicht ist
Der ZDB warnt explizit vor einem weiteren Einbruch im laufenden Jahr 2026. Die Logik dahinter ist simpel und alarmierend zugleich: Die Genehmigungszahlen der Jahre 2022 bis 2024 – also der Zeitraum, dessen Projekte jetzt in die Fertigstellungsphase kommen müssten – waren historisch niedrig. Der massive Einbruch bei den Baugenehmigungen nach der Zinswende der Europäischen Zentralbank im Sommer 2022 schlägt nun mit voller Wucht auf die Fertigstellungsstatistik durch. Selbst wenn die Genehmigungen jetzt wieder anziehen, wird sich das frühestens 2028 in realen Wohnungen niederschlagen.
Auftragseingang und Umsatz: Gemischte Signale
Die ebenfalls veröffentlichten Daten zu Auftragseingang und Umsatz im Bauhauptgewerbe für März 2026 zeichnen ein differenziertes Bild. Während der öffentliche Bau – nicht zuletzt durch das kürzlich verabschiedete Vergabebeschleunigungsgesetz und das Infrastrukturpaket der Bundesregierung – Impulse verzeichnet, bleibt der Wohnungsbau das Sorgenkind. Private Bauherren und Projektentwickler halten sich weiter zurück. Die Baukosten liegen nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes trotz leichter Entspannung bei den Materialpreisen noch immer rund 35 Prozent über dem Niveau von 2020. Gleichzeitig sind die Bauzinsen mit etwa 3,5 Prozent für zehnjährige Darlehen zwar unter den Spitzenwerten von 2023, aber weit entfernt von den Konditionen, die den Bauboom der Jahre 2015 bis 2021 befeuert hatten.
Sachsen-Anhalt: Besondere Herausforderungen
In Sachsen-Anhalt trifft die bundesweite Neubaukrise auf eine besondere Gemengelage. Der ohnehin geringere Neubau konzentriert sich stark auf die Städte Halle und Magdeburg, während in ländlichen Regionen kaum noch gebaut wird. Gleichzeitig steigt der Bedarf an energetischer Sanierung und Bestandsmodernisierung – ein Bereich, in dem laut Branchenbeobachtern erhebliches Potenzial liegt. Denn während der Neubau stockt, gibt es allein in Sachsen-Anhalt Hunderttausende Bestandswohnungen, die dringend modernisiert werden müssen: energetische Ertüchtigung, barrierefreier Umbau, Anpassung an veränderte Wohnbedürfnisse.
Was das für Bauherren und Eigentümer bedeutet
Für Eigenheimbesitzer und Immobilieneigentümer in der Region Halle und Leipzig ergibt sich aus der aktuellen Lage eine klare Handlungsempfehlung: Wer sanieren oder umbauen will, findet derzeit ein günstigeres Marktumfeld als noch vor zwei Jahren. Bauunternehmen im Bereich Innenausbau und Sanierung haben wieder freie Kapazitäten, Materialpreise haben sich teilweise stabilisiert, und verschiedene Förderprogramme – etwa die KfW-Zuschüsse für energetische Sanierung – stehen zur Verfügung. Die Investition in den Bestand ist in der gegenwärtigen Marktsituation häufig wirtschaftlich sinnvoller als ein Neubau. Für Handwerksbetriebe in Mitteldeutschland wiederum bedeutet die Verschiebung vom Neubau zur Bestandspflege eine strategische Neuausrichtung, die bereits in vollem Gange ist.
Quellen & weiterführende Informationen
- Quelle: Wohnungsneubau 2025: Fertigstellungen auf niedrigstem Stand seit über einem Jahrzehnt. ZDB Zentralverband Deutsches Baugewerbe / Presseportal, 22.05.2026. Zum Artikel
- Quelle: Wohnungsbau: Genehmigungszahlen steigen, Bedarf bleibt. ZDB Zentralverband Deutsches Baugewerbe / Presseportal, 18.05.2026. Zum Artikel
- Quelle: Baugewerbe zum Vergabebeschleunigungsgesetz: Wichtiger Schritt für unser Land. ZDB Zentralverband Deutsches Baugewerbe / Presseportal, 08.05.2026. Zum Artikel
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