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Die Zahl klingt zunächst nach guter Nachricht: 22.200 Wohnungen wurden im Februar 2026 in Deutschland genehmigt. Nach Jahren des Rückgangs ist das ein spürbarer Anstieg. Doch wer die Daten des Statistischen Bundesamtes genauer liest, erkennt schnell: Von einer Entwarnung am Wohnungsmarkt kann keine Rede sein.
Aufwärtstrend auf niedrigem Niveau
Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) ordnet die Februar-Zahlen nüchtern ein. Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa spricht von einem Aufwärtstrend, der «noch keine Entwarnung» sei. Der Grund: Deutschland bräuchte nach Berechnungen des Pestel-Instituts und des Verbändebündnisses Wohnungsbau jährlich mindestens 400.000 neue Wohnungen, um den Bedarf zu decken. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr läge man mit dem aktuellen Genehmigungstempo bei rund 270.000 – also weiterhin deutlich unter der Zielmarke.
Warum die Genehmigung noch kein Fundament ist
Ein genehmigter Bau ist noch lange kein gebauter Bau. Zwischen Genehmigung und erstem Spatenstich liegen in Deutschland im Schnitt 18 bis 24 Monate. Hinzu kommt ein wachsender sogenannter Bauüberhang: Hunderttausende genehmigte Wohnungen wurden in den vergangenen Jahren nie realisiert, weil Finanzierungen platzten, Materialkosten explodierten oder Kapazitäten fehlten. Laut Statistischem Bundesamt belief sich dieser Überhang zuletzt auf über 800.000 Wohneinheiten bundesweit.
Für Bauherren bedeutet das eine paradoxe Situation: Es gibt theoretisch Projekte in der Pipeline, aber zu wenig davon werden tatsächlich umgesetzt. Wer heute baut, konkurriert um dieselben knappen Handwerkerkapazitäten und Materialressourcen wie vor einem Jahr.
Zinsen und Baukosten bremsen weiter
Die Bauzinsen haben sich seit ihrem Höchststand 2023 zwar leicht entspannt, liegen mit rund 3,2 Prozent für zehnjährige Bindungen aber immer noch weit über dem Niveau der Niedrigzinsphase. Gleichzeitig sind die Baupreise im Wohnungsbau laut Destatis im Jahresvergleich erneut um rund 3,5 Prozent gestiegen – schneller als die allgemeine Inflation. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus in Sachsen-Anhalt, das laut LBS-Marktdaten bei rund 280.000 Euro Herstellungskosten liegt, summiert sich das auf knapp 10.000 Euro Mehrkosten gegenüber dem Vorjahr.
Die Folge: Viele private Bauvorhaben werden verschoben oder auf den Bestand umgelenkt. Sanierung und Modernisierung gewinnen gegenüber dem Neubau weiter an Bedeutung – ein Trend, der sich in der gesamten Branche abzeichnet.
Regionale Perspektive: Sachsen-Anhalt unter dem Bundesschnitt
In Sachsen-Anhalt fällt die Genehmigungsdynamik traditionell schwächer aus als im Bundesdurchschnitt. Das liegt zum einen an der demografischen Entwicklung, zum anderen an geringeren Bodenpreisen, die großflächigen Neubau weniger attraktiv für Investoren machen. Die Städte Halle und Leipzig bilden allerdings eine Ausnahme: Hier sorgt die Zuwanderung junger Fachkräfte – nicht zuletzt durch die wachsenden Hochschulstandorte und die Ansiedlungserfolge in der Chipindustrie – für anhaltende Nachfrage nach Wohnraum.
Für den Raum Halle bedeutet das konkret: Wer eine Bestandsimmobilie besitzt, sollte die aktuelle Phase nutzen. Die Nachfrage nach modernisierten Wohnungen ist hoch, die Förderlandschaft für energetische Sanierungen – etwa über die KfW-Programme 261 und 262 – nach wie vor attraktiv. Gleichzeitig sind die Handwerkerkapazitäten in der Region zwar angespannt, aber nicht so dramatisch überlastet wie in den süddeutschen Ballungsräumen.
Was Bauherren jetzt beachten sollten
Die steigenden Genehmigungszahlen sind ein Signal, aber kein Grund zur Euphorie. Wer in Mitteldeutschland ein Bau- oder Sanierungsprojekt plant, tut gut daran, drei Dinge im Blick zu behalten: Erstens die Finanzierung frühzeitig zu sichern, bevor ein möglicher Zinsanstieg im Herbst die Konditionen verschlechtert. Zweitens regionale Fördertöpfe zu prüfen – Sachsen-Anhalt bietet über die Investitionsbank ergänzende Landesprogramme. Und drittens mit verlässlichen Partnern vor Ort zu planen, die lokale Lieferketten und Genehmigungsprozesse kennen. Denn eine Baugenehmigung allein baut noch kein Haus.
Quellen & weiterführende Informationen
- Quelle: Baugenehmigungen Februar: Aufwärtstrend ist noch keine Entwarnung. ZDB Zentralverband Deutsches Baugewerbe / Presseportal, 17.04.2026. Zum Artikel
- Quelle: Bauhauptgewerbe im Februar: Auftragseingang zieht an – Umsatz witterungsbedingt gedämpft. ZDB Zentralverband Deutsches Baugewerbe / Presseportal, 24.04.2026. Zum Artikel
- Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis): Baugenehmigungen und Baupreisindex, laufende Berichterstattung 2026.
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