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Sondervermögen verfehlt die Kommunen – was das für Mitteldeutschland bedeutet

Sondervermögen verfehlt die Kommunen – was das für Mitteldeutschland bedeutet

Foto: Unsplash

Sondervermögen verfehlt die Kommunen – was das für Mitteldeutschland bedeutet

Foto: Ricardo Gomez Angel / Unsplash

Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz sollte Deutschlands marode Substanz reparieren – Brücken, Schulen, Straßen, Netze. Doch eine aktuelle Studie des Ifo-Instituts zeigt: Lediglich rund 12 Prozent der schuldenfinanzierten Mittel kommen dort an, wo der Bedarf am drängendsten ist – in den Kommunen. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), spricht von einer strukturellen Fehlverteilung, die den Kern der Infrastrukturkrise verfehle.

Die Lücke zwischen Anspruch und Realität

Das im vergangenen Jahr beschlossene Sondervermögen umfasst dreistellige Milliardenbeträge. Der politische Anspruch war eindeutig: Deutschland sollte seine Infrastruktur in einer Dekade auf Vordermann bringen. Doch das Gros der Mittel fließt in Bundesfernstraßen, Schienenprojekte und Verteidigung – Großvorhaben, die zwar notwendig sind, aber am kommunalen Alltag vorbeigehen. Schulen mit undichten Dächern, gesperrte Gemeindestraßen, sanierungsbedürftige Turnhallen – dieser Bestand fällt durch das Raster.

Das KfW-Kommunalpanel beziffert den kommunalen Investitionsrückstand bundesweit auf rund 186 Milliarden Euro. Allein für Sachsen-Anhalt schätzt der Städte- und Gemeindebund den Sanierungsbedarf bei Schulgebäuden auf mehrere Milliarden. In Halle (Saale) stehen dutzende öffentliche Gebäude auf der Warteliste für energetische Ertüchtigung oder barrierefreien Umbau. Wenn nur ein Achtel der Sondervermögensmittel die kommunale Ebene erreicht, bleibt dieser Stau bestehen – mit konkreten Folgen für Bauunternehmen in der Region.

Warum die Verteilung so schief ausfällt

Die Ursachen sind strukturell. Bundesmittel folgen dem Prinzip der Auftragsverwaltung: Länder und Kommunen müssen Eigenanteile stemmen, Planungskapazitäten vorhalten und Vergabeverfahren durchlaufen. Gerade kleinere Kommunen in Sachsen-Anhalt oder Thüringen scheitern nicht am Geld allein, sondern an fehlendem Personal in den Bauämtern. Eine Gemeinde, die keinen Ingenieur für die Ausschreibung hat, kann auch keine Fördermittel abrufen. Das jüngst verabschiedete Vergabebeschleunigungsgesetz setzt zwar an den Verfahrensdauern an – doch es löst das Kapazitätsproblem auf kommunaler Seite nicht.

Pakleppa fordert deshalb eine Umverteilung innerhalb des Sondervermögens: Mindestens 20 Prozent der Mittel müssten direkt den Kommunen zugutekommen, gebunden an vereinfachte Abrufmechanismen. Der Deutsche Städtetag hatte bereits im Herbst 2025 einen ähnlichen Vorschlag gemacht – bislang ohne erkennbare politische Resonanz.

Was das für die regionale Bauwirtschaft heißt

Kommunale Investitionen sind das Rückgrat der mittelständischen Bauwirtschaft. Während Autobahnprojekte an große überregionale Generalunternehmer gehen, profitieren von Schulsanierungen, Kita-Neubauten oder Straßeninstandsetzungen vor allem lokale Betriebe – vom Trockenbauer über den Maler bis zum Elektroinstallateur. Fehlen diese Aufträge, verschärft sich der ohnehin angespannte Markt. Die aktuellen Konjunkturdaten des Statistischen Bundesamts zeigen: Im Februar 2026 lag der reale Umsatz im Bauhauptgewerbe 13,2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Auftragseingänge ziehen zwar an, aber die Lücke zwischen Auftragsbestand und realer Bautätigkeit bleibt groß.

Für Bauherren und Handwerksbetriebe in Mitteldeutschland ergibt sich ein paradoxes Bild: Es gibt Geld im System, aber es kommt nicht dort an, wo Handwerker und ihre Auftraggeber es brauchen. Wer als Eigenheimbesitzer in Halle oder Leipzig auf öffentliche Förderprogramme für energetische Sanierung wartet, die über kommunale Töpfe kofinanziert werden, muss mit Verzögerungen rechnen. Und wer als Baubetrieb auf öffentliche Aufträge setzt, sollte die Vergabepipeline der Landkreise genau beobachten – denn die nächsten Monate werden zeigen, ob die Reformversprechen aus Berlin tatsächlich auf den Baustellen der Region ankommen.

Quellen & weiterführende Informationen

  • Quelle: Sondervermögen: 12 Prozent für die Kommunen sind zu wenig. ZDB Zentralverband Deutsches Baugewerbe / Presseportal, 16.04.2026. Zum Artikel
  • Quelle: Bauhauptgewerbe im Februar: Auftragseingang zieht an – Umsatz witterungsbedingt gedämpft. ZDB Zentralverband Deutsches Baugewerbe / Presseportal, 24.04.2026. Zum Artikel
  • Quelle: Vergabebeschleunigungsgesetz: Ein kluger Kompromiss für Infrastruktur und Bauwirtschaft. ZDB Zentralverband Deutsches Baugewerbe / Presseportal, 23.04.2026. Zum Artikel
Von M. Habach
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Konjunktur
·
KI-gestützt · redigiert

Habach Bau · Halle (Saale)

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