Anrufen Anfrage senden
Startseite Leistungen Referenzen Über uns Ratgeber Kontakt Jetzt anrufen

Baukosten senken, Arbeitszeit flexibilisieren: Was die Berliner Pläne wirklich taugen

Baukosten senken, Arbeitszeit flexibilisieren: Was die Berliner Pläne wirklich taugen

Foto: Habach Bau

Baukosten senken, Arbeitszeit flexibilisieren: Was die Berliner Pläne wirklich taugen

Foto: Habach Bau

Innerhalb von nur zwei Tagen hat die Bundesregierung zwei Vorhaben präsentiert, die den Bausektor grundlegend betreffen: einen Aktionsplan zur Senkung der Baukosten und einen Referentenentwurf zur Reform des Arbeitszeitgesetzes. Beide Papiere verfolgen auf dem Papier nachvollziehbare Ziele – doch in der Praxis drohen sie einander zu konterkarieren.

Aktionsplan Baukosten: Richtige Diagnose, vorsichtige Therapie

Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) hat am 19. Juni seinen lange angekündigten «Aktionsplan zur Senkung der Baukosten» vorgelegt. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), kommentierte: Die Richtung stimme, aber es brauche «noch mehr Tempo». Was diplomatisch klingt, ist im Kern eine deutliche Kritik: Die Branche wartet seit Jahren auf spürbare Entlastung bei Normen, Genehmigungsverfahren und materialgetriebenen Mehrkosten – und bekommt zunächst vor allem Absichtserklärungen.

Die Baukosten in Deutschland sind zwischen 2020 und 2025 um mehr als 35 Prozent gestiegen – getrieben durch Materialpreise, Energiekosten und eine stetig wachsende Regulierungsdichte. Der Aktionsplan setzt unter anderem auf die Vereinfachung technischer Normen, die Reduzierung von Auflagen im seriellen Bauen und eine stärkere Digitalisierung der Planungsprozesse. Ob daraus tatsächlich günstigere Quadratmeterpreise resultieren, hängt allerdings von der Umsetzungsgeschwindigkeit ab – und genau hier liegt das strukturelle Problem der deutschen Baupolitik.

Arbeitszeitgesetz: Kontrolle statt Vertrauen

Noch kritischer fiel die Reaktion auf den Referentenentwurf des Bundesarbeitsministeriums (BMAS) zur Reform des Arbeitszeitgesetzes aus, der einen Tag zuvor bekannt wurde. Pakleppa sprach von «Misstrauen statt Flexibilität». Statt die von der Bauwirtschaft geforderte wöchentliche Höchstarbeitszeit einzuführen – wie sie in vielen EU-Staaten längst gilt –, setzt der Entwurf offenbar weiterhin auf die starre tägliche Grenze von acht beziehungsweise zehn Stunden.

Für Baubetriebe hat das unmittelbare Konsequenzen: Auf der Baustelle lässt sich Arbeit nicht beliebig portionieren. Wetter, Trocknungszeiten, Betonierzyklen und Koordination der Gewerke erfordern an manchen Tagen längere, an anderen kürzere Einsätze. Eine Wochenarbeitszeitregelung würde diese Realität abbilden. Der Entwurf des BMAS verschärft stattdessen die Dokumentationspflichten – zusätzlicher Verwaltungsaufwand, den gerade kleine und mittelständische Betriebe kaum stemmen können.

Der Widerspruch im System

Hier liegt das eigentliche Problem, das über die einzelnen Maßnahmen hinausgeht: Die Bundesregierung will einerseits Baukosten senken und Bauen beschleunigen, bürdet der Branche andererseits neue bürokratische Lasten auf. Wer günstigeren Wohnungsbau will, muss auch die Rahmenbedingungen für die Betriebe verbessern, die diesen Wohnungsbau tatsächlich ausführen. Kostensenkung funktioniert nicht allein über Normenreduzierung – die Arbeitsorganisation ist ein ebenso zentraler Hebel.

Hinzu kommt: Bereits Ende Mai wurde die Baugesetzbuch-Novelle verabschiedet, Anfang Juni das Aktionsprogramm zur Kreislaufwirtschaftsstrategie vorgelegt. Die Branche sieht sich einer Flut regulatorischer Initiativen gegenüber, die jeweils für sich genommen sinnvolle Ansätze enthalten, aber im Zusammenspiel ein widersprüchliches Bild ergeben. Schnellere Genehmigungen nützen wenig, wenn gleichzeitig die Personalplanung durch starre Arbeitszeitregeln erschwert wird.

Was das für Mitteldeutschland bedeutet

Für Bauherren und Handwerksbetriebe in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen verschärft diese Gemengelage bestehende Probleme. Die Region leidet ohnehin unter einem überdurchschnittlichen Fachkräftemangel im Handwerk – starre Arbeitszeitregeln machen die Branche für potenzielle Beschäftigte nicht attraktiver. Gleichzeitig sind die Margen im mitteldeutschen Baugewerbe traditionell geringer als in westdeutschen Ballungsräumen, was zusätzlichen Bürokratieaufwand besonders schmerzhaft macht. Wer in Halle, Leipzig oder Erfurt baut oder saniert, sollte aktuelle Förderprogramme und die tatsächliche Umsetzung der angekündigten Kostensenkungen genau verfolgen – denn zwischen Berliner Ankündigung und regionaler Wirkung liegen erfahrungsgemäß Monate, wenn nicht Jahre.

Quellen & weiterführende Informationen

  • Quelle: Aktionsplan zur Baukostensenkung: Die Richtung stimmt, aber wir brauchen noch mehr Tempo! ZDB Zentralverband Deutsches Baugewerbe / Presseportal, 19.06.2026. Zum Artikel
  • Quelle: Arbeitszeitgesetz: Misstrauen statt Flexibilität. ZDB Zentralverband Deutsches Baugewerbe / Presseportal, 18.06.2026. Zum Artikel
  • Quelle: Baugewerbe: Plus bei Baugenehmigungen löst die Krise nicht. ZDB Zentralverband Deutsches Baugewerbe / Presseportal, 18.06.2026. Zum Artikel
  • Quelle: Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie: Bauwirtschaft begrüßt Novellierungspläne der Ersatzbaustoffverordnung. ZDB Zentralverband Deutsches Baugewerbe / Presseportal, 03.06.2026. Zum Artikel
  • Quelle: Baugewerbe zur BauGB-Novelle: Ist nur die halbe Miete. ZDB Zentralverband Deutsches Baugewerbe / Presseportal, 27.05.2026. Zum Artikel
Von M. Habach
·
Recht & Vorschriften
·
KI-gestützt · redigiert

Habach Bau · Halle (Saale)

Haben Sie ein Bauprojekt in der Region?

Wir sind Ihr Ansprechpartner für Innenausbau, Sanierung und Renovierung — termingerecht, zum Festpreis.

Kostenloses Angebot anfordern
Nach oben scrollen