Foto: Habach Bau
Seit Monaten wartet die deutsche Baubranche auf den großen Schub durch das Sondervermögen Infrastruktur. Die jüngsten Konjunkturdaten für April 2026, veröffentlicht vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), machen deutlich: Die erhoffte Trendwende lässt weiter auf sich warten. Während die Bundesregierung in derselben Woche das Infrastruktur-Zukunftsgesetz durch den Bundestag brachte und einen Aktionsplan zur Baukostensenkung vorlegte, zeichnen die Zahlen aus den Betrieben ein ernüchterndes Bild.
Wohnungsbau stabilisiert sich – aber auf niedrigem Niveau
Immerhin gibt es im Wohnungsbau erste Anzeichen einer Bodenbildung. Nach Jahren des Rückgangs scheinen die Auftragseingänge nicht weiter abzurutschen. Für Bauherren, die eine Sanierung oder einen Umbau planen, ist das ein vorsichtig positives Signal: Die Kapazitäten am Markt sind vorhanden, die Wartezeiten auf Handwerker haben sich vielerorts entspannt. Allerdings bleibt das Niveau weit entfernt von den Boomjahren 2020 bis 2022, als der Wohnungsbau historische Höchststände erreichte.
500 Milliarden Euro – und kaum Wirkung in den Auftragsbüchern
Das eigentlich Beunruhigende steckt im öffentlichen Bau. Das im Frühjahr 2025 beschlossene Sondervermögen von 500 Milliarden Euro sollte Deutschlands marode Infrastruktur – Brücken, Schienen, Straßen, Schulen – grundlegend erneuern. Über ein Jahr später ist davon in den Auftragsbüchern der Baubetriebe mit 20 und mehr Beschäftigten kaum etwas angekommen. Der ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa hatte dies bei der Vorstellung der Zahlen deutlich kritisiert.
Die Gründe sind struktureller Natur und für die Branche seit Langem bekannt: Langwierige Planungsverfahren, personell ausgedünnte Bauverwaltungen in Kommunen und Ländern sowie ein Normengeflecht, das selbst kleinere Vorhaben zu bürokratischen Marathons macht. Genau hier soll das Infrastruktur-Zukunftsgesetz ansetzen, das am 26. Juni den Bundestag passierte. Es sieht verkürzte Genehmigungsverfahren und digitale Planungsprozesse vor. Ob das reicht, um den Stau aufzulösen, wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.
Golfkonflikt treibt Materialpreise
Ein zusätzliches Risiko zeichnet sich auf der Kostenseite ab. Der schwelende Konflikt am Persischen Golf hat die Energiepreise in den vergangenen Wochen spürbar steigen lassen. Das schlägt unmittelbar auf energieintensive Baustoffe wie Stahl, Zement und Dämmmaterialien durch. Für Bauherren bedeutet das: Wer in der zweiten Jahreshälfte 2026 ein Sanierungs- oder Renovierungsprojekt plant, muss mit höheren Materialkosten rechnen als noch zu Jahresbeginn kalkuliert.
Der von der Bundesregierung vorgelegte Aktionsplan zur Senkung der Baukosten adressiert zwar regulatorische Kostentreiber – etwa die Entschlackung technischer Normen und die Vereinfachung von Vergabeverfahren. Gegen externe Preisschocks wie steigende Energiekosten kann er jedoch wenig ausrichten. Der ZDB hatte die Richtung des Aktionsplans grundsätzlich begrüßt, zugleich aber «mehr Tempo» bei der Umsetzung gefordert.
Was die Zahlen für Mitteldeutschland bedeuten
In Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen trifft die ausbleibende Trendwende auf eine ohnehin angespannte Situation. Viele Kommunen in der Region haben erheblichen Sanierungsstau bei Schulen, Verwaltungsgebäuden und Straßen. Gleichzeitig fehlt es an Planungskapazitäten in den Bauämtern, um Fördermittel überhaupt abrufen zu können. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe in der Region Halle und Leipzig heißt das: Die Auftragslage im öffentlichen Bau bleibt vorerst verhalten, während im privaten Wohnungsbau – insbesondere bei energetischer Sanierung und Innenausbau – die Nachfrage stabil bleibt.
Eigenheimbesitzer, die eine Sanierung oder Modernisierung planen, sollten die aktuelle Phase nutzen: Die Verfügbarkeit qualifizierter Handwerksbetriebe ist besser als in den Überhitzungsjahren, und trotz steigender Materialpreise liegen die Gesamtkosten noch unter dem Niveau, das Branchenexperten für 2027 erwarten. Wer jetzt verbindliche Angebote einholt, kann sich gegen weitere Preissteigerungen absichern.
Quellen & weiterführende Informationen
- Quelle: Bauhauptgewerbe im April: Trendwende lässt weiter auf sich warten. ZDB Zentralverband Deutsches Baugewerbe / Presseportal, 25.06.2026. Zum Artikel
- Quelle: Endlich Vorfahrt für die Infrastruktur: Baugewerbe begrüßt Infrastruktur-Zukunftsgesetz. ZDB Zentralverband Deutsches Baugewerbe / Presseportal, 26.06.2026. Zum Artikel
- Quelle: Aktionsplan zur Baukostensenkung: Die Richtung stimmt, aber wir brauchen noch mehr Tempo! ZDB Zentralverband Deutsches Baugewerbe / Presseportal, 19.06.2026. Zum Artikel
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